Ehemaliges Gestapo-Gebäude in Chemnitz

Das Polizeigebäude auf der Hartmannstraße war in der faschistischen Ära Hauptquartier der Geheimen Staaspolizei (Gestapo). Hier befanden sich zahlreiche Arrestzellen, in denen die Inhaftierten unter nicht rechtsstaatlichen Bedingungen eingesperrt waren. Dazu zählten vor allem Kommunist:innen, Sozialdemokrat:innen, Gewerkschaftler:innen, Homosexuelle, Sinti:zze und Roma:nja und weitere Menschen, deren Leben von den Nazis als lebensunwert eingeschätzt wurden. Zu den bereits dort arbeitenden Kriminalbeamten wurden immer mehr Angehörige der SA- und SS hinzugezogen. Diese konnten sich an den schon gesammelten Akten und Karteikarten über politisch engagierte Personen ungehindert bedienen.

Durch das Einbeziehen der SA und SS ging auch die letzte Rechtsstaatlichkeit verloren. Es kam zu so genannten "verschärften Vernehmungen", sprich Folter. Die Gefangenen waren den sadistischen Anfällen der Nazibeamt*innen gnadenlos ausgeliefert. Sie wurden geschlagen, bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und bis in den Tod gefoltert. Alle diesen schrecklichen Mittel konnten von den Beamt*innen ohne Angst vor Bestrafung angewandt werden. Zahlreiche Gefangene wählten aus Angst daher den Freitod.

In den ersten Jahren war die Staatspolizei vor allem mit den politischen und kirchlichen Gegnern und deren Ausmerzung beschäftigt, später mit der Verfolgung und Vernichtung des jüdischen Lebens in dieser Stadt. Im August 1935 ließen der Polizeipräsident und der Oberbürgermeister in Chemnitz verlauten: "Der Zuzug von Personen jüdischer Rasse ist für Chemnitz ebenso unerwünscht wie für andere Orte, in denen die maßgebenden Behörden bereits Schritte gegen einen solchen Zuzug unternommen haben. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß solchen Personen jede öffentliche Unterstützung in offener Fürsorge versagt wird".

Jüdische Bürger*innen wurden in den darauf folgenden Jahren in so genannten "Judenhäusern" auf dem Sonnenberg untergebracht, wo sie bis zu ihrer Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager lebten. Diese Häuser wurden oft von der Gestapo aufgesucht. Sie gingen gegen die jüdische Bevölkerung, die hier auf engsten Raum leben musste, aus sadistischen Beweggründen vor. Im Polizeigebäude auf der Hartmannstraße wurden Personalkarteien verfasst, erweitert und ausgewertet. Menschen wurden klassifiziert, verurteilt und getötet. Der Schrecken der Chemnitzer Gestapo wurde von hier aus verwaltet, bevor sie später auf die Kaßbergstraße in eine Villa zog. Justin Sonder, ein Überlebender der Deportation nach Auschwitz aus Chemnitz, erinnert sich an einen Herrn Tümmler, Leiter der Gestapo in Chemnitz. Als er und viele andere 1943 deportiert wurden, machte er sich einen Spaß mit den mitgebrachten Rucksäcken und Koffern. " Er schmiss sie auf einen Haufen und rief dann beim Sortieren: 'Wo ihr hinkommt – das braucht ihr nicht, das braucht ihr nicht, das braucht ihr nicht, das braucht ihr nicht!' ".