Alte Synagoge Chemnitz

Gegen 19 Uhr begannen am 9. November 1938 schließlich die Novemberpogrome auch in Chemnitz. Auch die alte Syngoge in Chemnitz fiel in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 der Reichspogromnacht zum Opfer. Das imposante Gebäude wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts fertiggestellt und befand sich auf dem heutigen Stephansplatz. Es war die erste Synagoge in Chemnitz und Zentrum des hiesigen jüdischen Glaubens, welcher sich erst in den 1860er Jahren nach Beitritt Sachsens in den Norddeutschen Bund hier manifestieren konnte. Nach Fertigstellung und feierlicher Einweihung im Jahr 1899 fanden bis zu 700 Personen hier Platz. Etwa 2.300 Mitglieder zählte die jüdische Gemeinde zur Zeit der Machtübernahme der Nazis. In der Reichspogromnacht 1938 wurde auch diese Synagoge angezündet und zerstört. Ein Augenzeuge berichtete später, dass gegen 19 Uhr am 9. November 1938 eine große Menschenmenge vor der Synagoge stand. Der Vorgarten der Synagoge wurde durch SA und fanatisierte Jugendliche gestürmt. Menschen in Zivil schleppten "Kanister mit Flüssigkeiten" in die Synagoge. Die Menge auf der Straße davor gröhlte, als die ersten Flammen aus der Synagoge schlugen. Der Feuerschein erhellte den gesamten Kaßberg.

Alte Synagoge auf dem Chemnitzer Kaßberg. Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chemnitz-Synagoge-1.jpg

Der damalige Rabiner Hugo Chanoch Fuchs wurde gezwungen dem Abbrennen seiner Synagoge zuzuschauen und wurde danach in das KZ Buchenwald verschleppt. Bis zum Morgen brannte das Gebäude, niemand kam um die Flammen zu löschen. Am 10.11.1938 waren nur noch die Grundmauern übrig, welche anschließend am selben Tag noch gesprengt wurden. Ein Augenzeuge erinnert sich: "Nur seine Außenmauer standen noch, aus dem Innern stieg noch immer Rauch auf. Leute blieben stehen. Sie schauten still hin, sehr still, und gingen weiter. Es war kalt, sehr kalt".

Die jüdische Gemeinde wurde aufgefordert die Überreste zu beseitigen. Abwertend sprachen die Nationalsozialist:innen von einem "öffentlichen Ärgernis" welches beseitigt werden sollte. Da dies der jüdischen Gemeinde in Chemnitz nicht gelang, entfernten Feuerwehrleute und Helfer:innen die Überreste des einst imposanten Bauwerkes und stellten es der jüdischen Gemeinde in Rechnung. Rabiner Hugo Chanoch Fuchs wurde später wieder aus dem KZ Buchenwald entlassen und nutzte die Chance ins Ausland zu fliehen. Eine Enkelin von ihm lebt heute in Israel.

An den ehemaligen Rabbiner erinnert heute ein Stolperstein auf der Agricolastrasse 15 in Chemnitz, seinem damaligen Wohnort, und eine Straße. An die Synagoge erinnert ein Gedenkstein, welcher jährlich Ziel verschiedener städtischer und zivilgesellschaftlicher Akteur:innen zum 9. November ist.